Gelebter Glauben




Besinnung


Lasst uns doch fröhlich sein, Freude bereiten.

So kurz ist diese lange Erdenzeit.

Dies schwere und so einsamvolle Schreiten

ist schon gestreift vom Hauch der Ewigkeit.

 

Lasst uns einander doch das Lächeln schenken,

bei der Begegnung oft ein gutes Wort.

Lasst uns doch mehr ans Leid des andern denken.

Das Gute wirkt und pflanzt sich weiter fort.

 

Lasst uns doch wahre, echte Christen sein,

die wissen um das Ziel und's  ewige Leben.

Wenn wir im Paradies einst gehen ein,

wird es nur Friede und nur Freude geben!



Die Sehnsucht


Lass mich o Herr, die Sehnsucht nicht verlieren,

wenn ich zerschlagen oft und mutlos bin.

Lass mich ein wenig Deine Gnade spüren,

dass sich erhellt mein oft so dunkler Sinn.

 

Wenn ich enttäuscht von manchem Menschen werde,

an dem mein Herz mit großer Lieb' gehangen--

Denn alles ist nur Täuschung hier auf Erden,

und es vergeht auch Traurigkeit und Bangen.

 

Lass mich o Herr, vor Sehnsucht manchmal weinen,

wenn ich an Dich und Deinen Himmel denke.

Lass Deinen Liebesstrahl ins Herz mir scheinen,

dass ich mich betend ganz in Deine Lieb' versenke!

           


Der Sturm


Wie ein Sturm durchbraust die Seele,

wo noch gestern Stille war.

Friedvoll freut' ich mich der Helle,

alles war so licht und klar.

 

Konnte froh vor'n Herrgott treten.

Fühlte mich so gottverbunden.

Ach, wie innig konnt' ich beten.

Glanz lag über diese Stunden.

 

Doch wir sind jetzt noch auf Erden.

Vor Versuchung nicht gefeit.

Erkämpfet muss der Himmel werden.

Weit ist's noch zur Seligkeit!

 

Halt mich, wenn der Sturm erschreckt.

Bin so hilflos und so müde.

Aus der Stille aufgeweckt.

Gib mir meinen Seelenfrieden.

 

 

Der Trost


Siehe, wir bauen in die Unendlichkeit,

wenn wir barmherzige Liebe erweisen.

Ist es nicht Trost in unserer Tage Leid,

dass wir alle einst reisen?

Über die Brücke von Weh und Leid,

um bei dem lieben Herrgott zu sein

und ihn zu preisen

 

Glaube nicht, dass mir die bange Sehnsucht fremd,

wenn ich als tröstliche Mahnung dies sage.

Was meines Herzens flammende Wogen hemmt,

dass ich es trage.

Ist meine trauende Zuversicht,

weil kein Leide zum Bösen gebricht,

was uns auch schlage.

 

Wird unser Kreuz uns zur Qual und Last,

die unsere Stirne voll Trauer mag senken,

halten wir doch im Herzen stille Rast

durch betendes Denken.

Bis uns umgleitet des Todes Strom

und wir dereinst zum ewigen Dom

die Schritte lenken!

 

 

Erkennen


Die Tage gehen weiter ihren Gang,

auch ohne Dich, und weiter geht das Leben,

als hätt' es niemals eine Zeit gegeben,

wo Deine Stimme durch die Räume klang.

                  

Du sprachst oft Worte voller Lieb und Güte

und gabst so manchmal tröstend Lebensmut.

Das, was wir liebten, bleibt tief im Gemüte,

denn Du warst oft zu mir so herzensgut.

 

So manchmal sitze ich und lausch' auf Deinen Schritt.

Nun öffnet sich die Türe, Du trittst ein.

Doch sehe ich Dich nicht! Wie ich da litt!

Du bist gegangen, und ich bin allein.

 

Dann schreit ich still durch lärmerfüllte Straßen.

Die Einsamkeit ist oft bei mir zu Gast.

Wenn ich mich fühle oft so recht verlassen,

halt ich beim lieben Herrgott meine Rast.

 

Ich leg es opfervoll zu Gottes Füßen,

meine Schmerzen, die verborgenen Tränen.

In meinem stillen, ehrfurchtsvollen Grüßen

liegt doch mein ganzes, inniges Gottessehnen

             


Erkenntnis


Immer müder wird mein einst so schnelles Schreiten.

Schon streifte mich ein Hauch der Ewigkeit.

Und meine Seele flieht in unendliche Weiten,

wo sie nicht wird berühret von der Erde Leid.

 

Sie wandelt dort, so sicher sind doch Gotteshöhen.

Wie klein erscheint der große Weltenraum.

Im Licht der ewigen Seligkeit gesehen,

empfindet sie das Leben wie im Traum.

 

Und immer inniger wächst sie zu GOTT.

Was sie gequält, ist alles bald vergangen.

Die große und für uns so tiefe Menschennot

hat schon ein Strahl von GOTTES Lieb empfangen.

               


Menschensuche


Einst wollte ich Menschen begegnen,

sie lieben, trösten und segnen.

Das Herz voll heiligem Erbarmen

schlug warm für die Ärmsten der Armen.

 

Die Menschen schlugen mir Wunden.

Davon ich konnt' nie mehr gesunden

und brachten mir seelische Not.

Ich brach mit ihnen das letzte Stück Brot.

 

Verzweifelt im Tiefsten getroffen,

verlor ich den Glauben, und das Hoffen.

Und wollte es nie mehr versuchen,

Menschen zu trösten und suchen.

 

Doch in all meinen wehesten Stunden

hab' ich den Einen gefunden.

War er nicht auch ein Mensch wie Du und ich?

Und dennoch ein GOTT - und opferte sich?

 

Nun schweife ich manchmal in weiter Ferne

und zünde das Licht an in meiner Laterne.

Leucht' sie den Menschen ins Angesicht--

Sag Bruder Mensch: Brauchst Du mich?

 

 

 

Licht und Schatten


GOTT gibt in jedem Leben, Licht und Schatten.

Hast Du nicht oft schon seine Hand gespürt?

Er segnet alle: Die Hungrigen und Satten.

Wir alle werden wunderbar geführt.


Wenn heute einer schreitet durch die Höhen

so sicher, als gehöre ihm das Glück,

kann morgen er durch grüßte Tiefen

und leidergeben schauen still zurück.

 

Denn alles Leid von GOTT ist eine Gnade,

ein Wegbereiten für die Ewigkeit.

Treu führt er uns durch unsere Lebenspfade.

O, bange nicht, der Weg ist nicht mehr weit.

 

Und mögen auch die Stürme noch so toben.

Wir wollen unsern GOTT anbeten, preisen, loben.