Gelebter Glauben


 

Marienzeit


Den Maialtar hab' ich geschmückt
mit Frühlingsblumen und brennenden Kerzen.
Mein Herz ist so froh und beglückt.
Ich vergesse alles Leid und meine Schmerzen.


Madonna, die Gedanken gehen zurück.
Es ist schon vor vielen langen Jahren.
Es war in der Kindheit im Jugendglück,
hab ich schon die Liebe der Mutter erfahren.


Wenn zur Maienandacht das Glöcklein erklang,

dann hatte die Mutter uns gerufen.
In der Seele alles sang und klang,
wenn wir knieten vor des Altares Stufen.


Es nahm uns mit der Lebensstrom,
doch verloren wir nicht die Sicht.
Im kleinsten Kirchlein und im Dom
brannte doch das ewige Licht.


Und es grüßte Dein liebes Bild,

dein Lächeln ging mit durch die Tage.
Oft kniete ich vor Dir, o Jungfrau mild
mit mancher brennenden Lebensfrage.


Du führtest mich gut durch Sturm und Wind
in Dein so sonnenreiches Land.
Du warst meine Mutter und ich Dein Kind,
das immer bei Dir die Heimat fand.


Nun kommt der Abend, ich werde müde
und schaue aus nach dem tröstenden Licht.
Meine Seele sehnt sich nach Liebe und Friede.
Mutter Maria, verlass mich nicht!


 

 

 

Maria die Maienkönigin



Wenn der Mai mit seiner Blüte
will erfreuen das Menschenherz,
neigt die Mutter sich voll Güte,
um zu lindern Not und Schmerz.


Herrlich weiße Blumenkinder
zieren Deinen Maialtar,
und die Schar der armen Sünder
bringt Dir ihre Bitten dar.


Und Du stehst und lächelst weise.
Alles dringt zu Deinem Ohr,
und die Englein schweben leise,
bringen es vor Gottes Tor.


Was von der Mutter wird gesendet
hin zu Gottes höchsten Thron,
wird geschlichtet und gewendet,
bald spürst Du die Hilfe schon.


Liebste Mutter, Deine Milde
ist uns Menschen wohlbekannt.
Wenn wir knien vor Deinem Bilde
reich uns Deine Mutterhand.


Du kannst uns mit Gott versöhnen,
siehst die Sehnsucht und die Not.
Wenn der Lärm will übertönen
und hilflos schwankt das Lebensboot.


O, Du Jungfrau, voller Liebe

sei uns gegrüßt im Monat Mai.
In diesem hastigen Zeitgetriebe
soll Christus uns der Höchste sein.

 

 

 

Maiandacht



Vom Turme schlägt's dreiviertel acht.
Die Glocken läuten zur Maiandacht.
Ins Heiligtum, zu Gottes Stufen
hat uns Maria, die Mutter, gerufen.


Um all die Lauen, die bleiben zu Haus,
schaut die Mutter voll Güte aus.
Voll banger Sorge um sie getrieben,
die Mutter, die Mutter kann nur lieben.


Und all die, die in die Irre gegangen
haben doch auch an der Mutter gehangen.
Sie möcht' sie umfangen mit ihren Armen
und sie schützend behüten und sie warnen.


Rührt diese Liebe nicht an Dein Herz?

Trag Deine Not zu ihr, Deinen Schmerz.
Immer wird sie dich liebend verstehn.
Warum willst Du nicht zu der Mutter gehn?


Die Glocken sind nun vom Turme verstummt.
Im Gotteshaus singt man von Mund zu Mund.
Maria zu lieben, ist allzeit mein Sinn.
In Freuden und Leiden ihr Diener ich bin!

 

 

Maienkönigin



Das Glöcklein rief zur Maiandacht.
Ich lauschte seinem Klang.
Der Mai mit seiner Blütenpracht
von Lenz und Fröhling sang.


Schnell eilt ich zu der Mutter hin,
knie vor des Altars Stufen.
so fröhlich ist mein Herz und Sinn.
Die Mutter hat gerufen.


O, Maienkönigin, so schön
ist auch Dein Bild geschmückt.
Und immer muss ich Dich ansehn.
So tief bin ich beglückt.


All meine Not und meinen Schmerz
leg ich zu Deinen Füßen.
O, lindere ihn, Du Mutterherz,
lass Dich in Liebe grüßen.


Einmal ertönt des Glöckleins Klang.
Das Leben ist zu Ende.
Wenn es mir wird einsam und bang
reich mir die Mutterhände.


Geleite mich zur Heimat hin.
Breit' Deinen Mantel aus.
Wenn ich auch so armselig bin.
Dein Kind will doch nach Haus.


 

 

 

Ave Maria


Blühende Blumen, brennende Kerzen
zieren Deinen Maialtar.
Mutter Maria! Aus dankbarem Herzen
bringen wir unsere Liebe Dir dar:

Ave Maria !

Unsere so große, menschliche Not,
alle Tränen, die da fließen,
o, trag sie hin zu dem lieben Gott.
Leg sie ihm bittend zu Füßen:

Ave Maria!

Die Lieder, die wir in der Jugend gesungen
in unseres Maies Blüten---
Sie sind im Leben niemals verklungen,
wenn die Herzen auch noch so glühten.

Ave Maria!

Voll Lärm und Hast ist unsere Zeit.
Sie macht die Menschen so müde.
O, Mutter der Barmherzigkeit,
schenk uns doch Ruhe und Friede:

Ave Maria!

Wir sind so leer und ausgebrannt
von der Jagd nach dem irdischen Glück.
O, reich uns Deine Mutterhand.
Führ uns zu Gott zurück:

Ave Maria!

In unserer letzten Lebensstunde
zünde uns an sein Licht,
dass wir flüstern mit sterbendem Munde:
"Mutter verlass uns nicht!"

Ave Maria!